"Du machst das schon"

mein autobiografischer Roman


Stress, fehlende Wertschätzung, Chefwechsel im Zwei-Jahres-Takt, desaströse Wahlergebnisse – irgendwann wird alles zu viel und die Parteimanagerin bricht zusammen.  

Burn-out, Depression oder einfach nur zu schwach? Bei der Suche nach einer Antwort begegnen ihr Hilfe und Hindernisse, bis ihr klar wird, dass sie über den unwirtlichen Verhältnissen am Arbeitsplatz vergessen hat, wer sie wirklich ist und was sie braucht. Sie entdeckt, dass mehr in ihr steckt, als sie gewusst hat und dass sie jemand ist – noch bevor sie irgendeine Leistung erbracht hat. 

Mitreißend geschrieben, zum Weinen und zum Lachen rührend, erzählt dieses „Fallbeispiel“ eine Geschichte, die viele Berufstätige in der heutigen Arbeitswelt kennen und führt uns Lesende zu einem hoffnungsvollen Ausblick.

Man reiche mir die Brücke

15 chriminiaturen

Kleine Alltagsmomente großartig erzählt. 
Ironisch, lakonisch, pointiert, überraschend, ohne ein Wort zu viel.


"Blödsinn, sagte der Pinguin"

frisch aus der Druckerei

 

 

Im Universum meiner 17 chriminiaturen tummeln sich allerlei Gestalten, die ihr Scherflein dazu beitragen, mir – und dir vielleicht auch – das eine oder andere Lichtlein aufgehen zu lassen: ein philosophisch plaudernder Pinguin, missgünstige Götter oder ein widerspenstiger Heiliger. Erleb‘ mit mir teuflische Begegnungen und paradiesische Momente. So bekommt der ganz normale Alltag mal eine Vanille-Note, mal ein Krimi-Feeling. 

 


und dieses wird der nächste streich:

"BRAVE NEUE WELT"

die geschichte einer gesellschaft, die alles rettet, nur nicht sich selbst 


Hier eine kostprobe:

 

Lutz geht nach hause, durch die helligkeit der nacht. Jede strassenleuchte geht an, wenn er sich ihr nähert. Aus den häusern im dorf schimmern lampen, gedämpft durch vorhänge oder halb hochgezogene stehjalousien. Sogar der feldweg, der nach der abzweigung von der asfalierten strasse noch einen halben kilometer zu Lutz‘ haus führt, ist beleuchtet. Was für eine verschwendung! Man sieht auch die sterne kaum. Er, Lutz, würde gut auch ohne strassenbeleuchtung nach hause finden. Sogar oben auf der Sunnhöhe ist licht, beim einschichthof vom Franz. 

Die Neder plätschert gemächlich neben dem weg, doch je näher Lutz seinem haus kommt, desto lauter wird sie. Weg und bachbett werden steiler und oberhalb seiner scheune fällt das wasser überschäumend von einer bergflanke und verwandelt seine kraft in elektrischen strom. Das kleine kraftwerk hat schon Lutz‘ grossvater gebaut, als man solche privaten minianlagen für die eigene versorgung haben durfte. Bevor die kraftwerksdimensionen umweltschädigende ausmasse angenommen haben. Lutz seufzt. Ein dilemma, die sache mit der stromerzeugung. Staumauern verschandeln die landschaft, die abgeleiteten zuflüsse lassen almen vertrocknen. Aber trotzdem besser als atomkraftwerke. Oder windräder, in denen zugvögel sterben. 

Lutz strafft die schultern und steigt energisch die letzten, steilen meter zu seinem haus hinauf. Zufrieden schaut er zum dach hoch, wo er die solarzellen weiss, die er im schachbrettmuster angebracht hat. Er ist unabhängig. Der bach macht ihm den strom, die sonne das warme wasser. Er ist nicht schuld daran, wenn generationen nach ihm mit strahlendem müll leben müssen oder hunderte stare jedes jahr leblos zu füssen stählerner riesenräder liegen. Er hat seine hausaufgaben schon lange gemacht. Und er ruht sich nicht auf seinen lorbeeren aus. Er lässt nie das licht brennen, wenn er ein zimmer verlässt, er hat keine elektrische zahnbürste und er rasiert sich nass. „Der beste wäschetrockner ist die leine vor dem haus“, hat schon seine mutter gesagt und das bisschen geschirr, das er hat, waschen seine hände quasi automatisch.

Lutz ist zufrieden, mit sich und der welt. Nein. Mit sich und einem teil der welt. Dass Brantenbergir gewonnen hat, erfüllt ihn mit genugtuung. Endlich eine, die nicht nur quasselt, sondern die macht. Er weiss aus verlässlicher quelle, dass sie schon bald einen gesetzesentwurf vorlegen wird, der die unnötigen entschädigungen für die landwirte abschaffen wird. Wölfe, bären und luchse haben sich endlich wieder angesiedelt, das ist ein grosses hurra wert. Die paar schafe oder hühner, die gerissen werden, verkraften die bauern locker. Die sind ja bloss ewige jammerlappen. Sollen sie doch gemüse anbauen oder hanf, so wie er. Seit die joints legal sind, ist das ein einträgliches geschäft. Lutz schmunzelt über seine eigene genialität. Er hat schon immer den richtigen riecher zur richtigen zeit gehabt. 

Er schliesst die eingangstür hinter sich. Automatische türen, wie sie v.G. in mode gekommen sind, gibt es bei ihm nicht. Bei ihm ist das öffnen von türen handarbeit, das schliessen manchmal auch beinarbeit, zugegeben, wenn er die hände voll hat. Dass eine tür dann vielleicht mit lautem klacken ins schloss fällt, ist zwar geräuschpolitisch nicht korrekt, aber er verzeiht es sich. Ausserdem hört es ja niemand. Schliesslich wohnt er allein.

Im dunkeln streift er seine schuhe ab und stellt sie an ihren platz. Den findet er ohne jedes licht. Er schlüpft in seine pantoffeln und stellt teewasser auf. Zur feier des tages nimmt er ein löffelchen vom grünen tee und giesst das heisse wasser darüber. Der herbe duft der blätter steigt in seine nase. Nicht besonders öko, importware aus Solarktika, aber manchmal wird der stärkste schwach. Darf der stärkste schwach werden. Und seinen erinnerungern nachhängen. Das meint er mit „zur feier des tages“. Er hat heute mit Gret geskypt. Sie wird am wochenende nach Albruggen kommen. Sie werden sich treffen. Ach … Lutz lümmelt sich auf seinen kirschkernesack und nimmt einen schluck vom tee. Dieses aroma! Wie damals. In seinen wilden tagen. Auf der segeljacht mit Gret. Auf dem weg zur transozeanischen präsidentin. Eine kajüte voller freeze-for-peace-bewegten frauen. Jungen frauen. Vor engagement und sorge um den planeten glühenden frauen. Heiss auf das abenteuer, die welt zu retten. Es den alten hineinzusagen. Den klimakillern und atmosfäre-vergiftern. 

Lutz braucht jetzt doch ein bisschen licht. Er nimmt das sonnengeladene einweckglas mit dem winzigen akku vom fensterbrett und kippt den magneten nach unten. Klares, weisses licht fliesst auf das tischchen aus zirbe, das ihm Juli so liebevoll glattgeschmirgelt hat. Bevor sie ihn ein schwarzes loch geheissen hat und zurück nach Alstaad ist. „Du frisst jede helligkeit auf, du mit deinem sparwahn!“, hat sie gebrüllt. Nur weil sie über eine maus gestolpert ist, die sie im dämmerlicht seines schlafzimmers übersehen hat.

In Lutz breitet sich behagliche genugtuung aus. Das gäbe es heute nicht mehr. Dieses brüllen und türen-schlagen, aufstampfen und wüten. Das gibt es nicht mehr, korrigiert er sich. Auch da war Brantenbergir fix. Aggression wird nicht mehr geduldet. Wutanfällen, schreikrämpfen, ja sogar erhobenen stimmen wird der kampf angesagt. So etwas wie vorhin im wirtshaus … Genau genommen müsste man Franz zum arzt schicken. Auf den tisch hauen, dass ihm, Lutz, der tee aufs hemd spritzt! Ja, Franz ist einer der ersten kandidaten für die medikation, die sicher in kurzer zeit eingeführt wird. Das präparat wird wohl bald die zulassung bekommen, hat er gelesen. Dann kann es nicht mehr lang dauern. Ach, du schöne, brave welt! Lutz nimmt genüsslich den letzten schluck seines grünen tees und federt aus seinem kernesack hoch. Am wochenende Gret, die nie lange fackelt, sondern lieber gleich zur sache kommt. Besser geht’s kaum. Wäre da nicht die sturheit mancher konservativer. Das ist der teil der welt, mit dem er nicht zufrieden ist. Aber heute abend denkt er darüber nicht mehr nach. Er blättert ein bisschen durch die online-taubenpost und überfliegt den einen oder anderen artikel. Wie er auf die seite einer modezeitschrift geraten konnte, versteht er nicht. Doch er liest.

 

ccc.gentig.eut

Rock me, baby

 

Seit jahrzehnten wird der rock für das mann immer wieder einmal auf den laufstegen Eutopias gezeigt, ist aber in vorbravanischer zeit ein kuriosum geblieben. Zwar haben manche kreativs versucht, mit ihren entwürfen den mainstream zu erobern, doch nicht jeder trend ist dafür bestimmt, sich durchzusetzen. Nun ist der mannsrock jedoch auf dem weg zur normalität, denn niemird geringeres als Carla Gerfeldt setzt sich dafür ein, dass er endlich als standard in der manngarderobe akzeptiert wird. Sie zeigte bei der diesjährigen schau in Nedserd verschiedenste modelle – für die unterschiedlichsten typen und in den variationsreichsten stilrichtungen:

Angefangen beim kilt, der sich bürotauglich mit einem sakko aus hangewebtem tweed kombinieren lässt, bis hin zum legeren faltenrock, der ebenso wie der kilt bis knapp unters knie reicht und an wärmeren tagen mit kniestrümpfen getragen werden kann. Für kühleres wetter empfehlen sich die calzamaglie aus Lupania, gewebt aus feinstem, eutopäischem yak-unterhaar. Weniger betuchte können zwischen verschiedenen qualitäten felsländischer schafwolle wählen. 

Bleibt noch das abendliche outfit für empfänge, soirees und teaterbesuche. Bauschig lang zeigt sich das modell Opera, das hervorragend zu einem frack passt. Dazu schuhe aus der ebenreichschen ledermanufaktur Marche. Wer sich nicht unbehütet unter die feierliche gesellschaft mischen will, setzt einen bolero auf. Der wirkt übrigens auch auf frausköpfen ganz herausgeputzt.